Smarthomes sind dumm

Die Idee: Das smarte Haus

Das Smarthome. Man tauscht hier ein paar Lampen aus, da eine Steckdose und dann läuft das schon. Lampen gehen genau dann an, wenn man es möchte – und das möglichst einfach und schnell. Natürlich wird durch das Klingeln des Weckers automatisch die Kaffeemaschine aktiviert, sodass der Kaffee zum Frühstück in der Küche bereit steht und es werden einem aktuelle Nachrichten vorgelesen, damit man direkt auf dem aktuellen Stand ist. Außerdem spielt das Radio dann bereits die Lieblingsmusik und das Toast ist fertig. Abends gehen alle Rollos automatisch runter, Lichter und Steckdosen aus und Wecker werden automatisch gestellt.

Das alles ist bequem, spart Zeit und erhöht die Sicherheit, denn auch im Urlaub gehen auf Wunsch Rollos hoch und runter und Lichter an und aus.
Soviel zum Ziel. Doch ist das alles heute schon möglich, wo liegen Grenzen und was kann schief gehen?

 

Wie baue ich ein Smarthome?

In der Theorie hört sich das alles ja schon mal ganz nett an und die ersten Schritte sind schnell umgesetzt. Glühbirnen austauschen, Gateway (=^ Schaltzentrale) per LAN Kabel mit dem Router verbinden, APP runterladen und der Anleitung folgen.

Je nachdem, für welche Hersteller man sich entscheidet, gibt es hier zusätzliche Hürden. Da ich zu Hause die Produkte von IKEA Trâdfri nutze, gehe ich hierauf ein bisschen genauer ein. Die Einrichtung der Trâdfri Geräte ist ein kleines bisschen komplizierter. Hier muss man zunächst die Lampen einzeln einschrauben und mit einer Fernbedienung verbinden. Weiß man das nicht (ja, hier spricht meine Erfahrung), muss man sich zunächst die Fernbedienung dazu kaufen.
Dies verursacht natürlich höhere Kosten, die aber dank der günstigen Lampen von IKEA nicht so schwer ins Gewicht fallen.

Anschließend verbindet man die Fernbedienung mit dem Gateway. Dieses scannt man dann mit der APP und verbindet seinen Google Account.

Hiermit wäre der erste Schritt erledigt. Lampen können jetzt schon auf viele verschiedene Weisen gesteuert werden: Natürlich mit der Fernbedienung, oder in der App von IKEA, oder zeitgesteuert und falls der Google Account verbunden wurde, auch über die Google Home App und weitere Smart Home Geräte von Google (z.B. Google Home). Da IKEA noch keine Steckdosen anbietet, muss man sich hier bei anderen Anbietern bedienen. Meist kann man diese Steckdosen dann aber ebenfalls über eine App ansteuern oder mithilfe von Google steuern.

Wer seine bestehende Kaffeemaschine und den Toaster smart machen möchte, benötigt auch nur eine Smarte Steckdose. Die beiden Geräte müssen dann am Vortag vorbereitet werden, sodass sie ihre Arbeit beginnen, sobald sie Strom haben. Für die Steuerung der Rollos muss man derzeit allerdings noch viel Geld bezahlen, oder alternativ bis 2019 warten – denn dann veröffentlicht IKEA ein günstiges Modell.

 

Alles läuft zusammen

Hat man es geschafft, alle Geräte zu konfigurieren und beispielsweise über Google zusammenzuführen, steht der Automatisierung nichts mehr im Wege. Für jede Anforderung kann man jetzt in der Google App “Abläufe” erstellen. Damit verständlich ist, stelle ich hier zwei Abläufe als Beispiel vor. Einen für morgens und einen für abends.

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Wo ist jetzt das Problem?

Nutzt man Google, erwartet man eine ständig lernende KI, die sich schnell entwickelt und aus Fehlern lernt. Das ist aber nur in den seltensten Fällen der Fall. So kann es sein, dass Google das Kommando, das man die letzten Monate regelmäßig genutzt hat, plötzlich nicht mehr versteht.

Ein Beispiel hier ist die Funktion des Sleeptimers. Früher konnte man mit dem Google Home einen Sleeptimer stellen, der die Wiedergabe jeglicher Musik nach der gewünschten Zeit unterbricht. Nach einem automatischen Update gab es diesen Befehl dann nicht mehr. Der Support von Google konnte hier auch nur bedingt helfen. So könne  man das Kommando “Stoppe Spotify in 30 Minuten” nutzen. Für alle anderen Anwendungen (z.B. Radio via TuneIN) funktioniert dieser Befehl jedoch nicht.

Sogar bei den einfachsten Aufgaben scheitert Google regelmäßig. Das Einstellen von Weckern dauert lange – es werden nicht immer die korrekten Zeiten verstanden und nicht einmal der Klingelton lässt sich anpassen. Smart ist da was anderes.

Und dann sind da noch die Schnittstellen, die nicht immer funktionieren. So kam es in meiner Testphase häufig vor, dass man das SmartHome zwar über die Apps der Anbieter, nicht aber zentral über Google steuern konnte. Teilweise koppelten sich einzelne Glühbirnen oder ganze Räume komplett von SmartHome ab und ließen sich gar nicht mehr ansteuern. Hier half dann oft nur warten oder das neue Einrichten der Geräte. Mit jedem Update änderte sich auch die Reaktionszeit der Lampen. Mal reagierten sie schneller – mal langsamer.

Ach ja. Updates.

 

Oktober 2018:
Ich: “Ok Google Licht an”.
Google: “Ok, schalte 4 Lampen an.”

Dezember 2018 – 6 Uhr morgens
Ich: “Ok Google Licht an.”
Google: “Alles klar, ich schalte 7 Lampen an”
Meine Freundin (In anderem, plötzlich hell erleuchtetem Raum aus dem Schlaf gerissen): “OK GOOGLE LICHT AUS”
Ich (plötzlich im komplett dunklen Raum): “Hey Google schalte alle Lichter in diesem Raum an”
Google: “Ok, 7 Lampen wurden eingeschaltet.”
Ich: “Ups”

Januar 2019:
Ich: “Ok Google Licht an.”
Google: “Ok, schalte 4 Lampen an”

Updates sind also nicht immer gut.

 

Nicht zu vergessen: Menschliches Versagen
Die im Kapitel “Alles läuft zusammen” genannten Abläufe lösen viele Probleme, sind aber umständlich in der Handhabung. Sie sind tief in der Google App versteckt und Fehleranfällig. Vergisst man, einen Ablauf zu deaktivieren kann man ihn aus der Ferne nicht stoppen, sobald er läuft. Schön wäre es an dieser Stelle die Abläufe mithilfe eines Sprachbefehls für den nächsten Tag an- oder ausschalten zu können.

 

Aber die ganzen Daten

Kann jetzt nicht jeder Besucher über Sprachkommandos meinen Kalender auslesen, Wecker mitten in der Nacht einstellen und meine Lampen steuern?

Jein.

Alle Kommandos, die auf meinen Google Account zugreifen, müssen durch mein “OK Google” gestartet werden. Dazu gehören Zugriff auf Kalender und Erinnerungen. Alle anderen Kommandos (Wecker, Gerätesteuerung) können von jedem ausgelöst werden. Das ist eher so semi-gut. Und generell: Alles, was das Mikrofon des Google Homes aufnimmt, wird zu Google gestreamt und dort verarbeitet.

Angeblich werden hier nur Sachen abgespeichert, wenn zuvor “OK Google” gesagt wurde, aber was, wenn nicht? Hierzu gibt es an anderer Stelle einen anderen Artikel, der erklärt, wie man dies verhindern kann.

 

Was verbleibt?

Abläufe sind vorerst aus meinem Alltag verschwunden. Zu umständlich zu konfigurieren und zu groß die Konsequenzen, wenn der Ablauf in meiner Abwesenheit startet.

Musikwecker und normale Wecker funktionieren im Moment recht zuverlässig – zur Sicherheit stelle ich gleichzeitig aber immer noch einen Backup-Wecker auf meinem Handy.

Bei der Lichtsteuerung gibt es viele Aussetzer in letzter Zeit. Mal klappt es, mal nicht. Hier hilft mir eine Fernbedienung, die die Lampen direkt ansteuern kann, auch wenn alles andere nicht funktioniert.

Der Launch der smarten Rolos wurde verschoben.
Steht aber trotzdem zusammen mit “
Project Alias” auf meiner Wunschliste.

Eine Smarte Steckdose steuert meinen Spielautomat, sodass dieser per Sprachsteuerung gestartet werden kann. Kommt bei Gästen gut an.

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