Vom Autounfall zum Startup

Die Erleuchtung

Ich bereite mich so wie jeden Abend fürs Joggen vor. Was dabei nicht fehlen darf, sind meine Kopfhörer. Ohne würde ich gefühlt nur halb so viel laufen können. Ich verbinde meine Kopfhörer mit meiner Smartwatch, starte meine Lieblingsplaylist und laufe los. Es ist schon dunkel draußen und bis auf das Licht von den Straßenlaternen kann ich fast nichts sehen. Aber egal, mein Lieblingslied läuft gerade und ich erhöhe mein Tempo. Einfach Kopf aus, die frische Luft am Abend und die Musik genießen.

Auf einmal sehe ich nur ein helles Licht direkt vor mir aufleuchten und höre ein dumpfes Geräusch. Ich drehe mich zur Seite und sehe ein Auto, welches 1cm vor mir stehen geblieben ist. Ich nehme einen Kopfhörer raus und höre nun das laute Hupen. Das Auto musste wegen mir eine Vollbremsung machen und hätte mich fast mitgenommen. Und das Schlimme daran, ich hatte es nicht mal bemerkt.

Über das Geschehen musste ich die ganze Nacht nachdenken. Ich kann doch nicht der Einzige sein, der beim Joggen häufiger mal Dinge übersieht. Wäre es nicht schön Kopfhörer zu haben, die genau so etwas erkennen können und mich dann rechtzeitig warnen? Damit ist die Idee für mein erstes Startup geboren.

Der Grundstein eines Business

Idee hin oder her. Bis zum eigenen Startup ist es ein langer Weg. Wo also anfangen? Zunächst einmal informiere ich mich darüber, ob es schon ähnliche Produkte gibt. Und zu meinem Glück habe ich nichts gefunden. Kurz darauf hatte ich in der Schule über das Wettbewerb „Jugend Gründet“ gehört. Nach kurzer Recherche zu dem Wettbewerb hatte ich beschlossen daran teilzunehmen. Jetzt heißt es einen Businessplan aufstellen.

Für diejenigen, die nicht wissen was ein Businessplan ist, hier eine kurze Erklärung: Ein Businessplan ist die schriftliche Zusammenfassung einer zukünftigen Geschäftsidee. Zu dieser Geschäftsidee werden die Ziele, Strategien und Aktivitäten aufgezeigt. Dabei wird ein realistisches Bild des Unternehmens und des Marktes erzeugt. Somit sollen neben den Stärken und der Einzigartigkeit der Geschäftsidee auch mögliche Risiken und Hindernisse inklusive Lösungsvorschläge dargestellt werden.

Grafik für eine Businessplan

Nach ausführlicher Recherche und Überlegungen konnte ich meinen Businessplan beenden. Jetzt heißt es einreichen und warten auf eine Bewertung der Jury.

Die Einladung

Es sind einige Wochen vergangen, bis ich einen Anruf erhielt. Am Telefon war ein Mitarbeiter von Jugend Gründet, welcher mir mitteilte, dass mein Businessplan die Jury überzeugen konnte. Ich erhielt eine Einladung zum Zwischenfinale in Hamburg, wo die 10 besten Teams ihre Ideen vor der Jury pitchen müssen. Ich, der zu dem Zeitpunkt nicht mal wusste, ob meine Idee technisch umsetzbar ist, sollte nun diese der Jury verkaufen.

Bei einem Pitch geht es grundsätzlich darum, in einer kurzen Zeit, mögliche Investoren, Kunden oder in diesem Fall die Jury von seiner Geschäftsidee zu überzeugen. Dies kann man über verschiedene Präsentationsarten erreichen. Häufig wird eine digitale Präsentation (also Powerpoint, Prezi usw.) genutzt, um den mündlichen Kurzvortrag zu visualisieren. Diese Visualisierung wird auch als Pitchdeck bezeichnet. Die Dauer eines Pitchs wird meist von den Veranstaltern von Pitch-Events vorgegeben und beträgt zwischen drei und sieben Minuten. In meinem Fall gab die Jury ein Limit von 5 Minuten. Häufig bekommt das Publikum im Anschluss noch Zeit, offene Fragen zu stellen.

Für meinen Pitch entschied ich mich für eine digitale Präsentation. So bereitete ich mich die nächsten Wochen für den Pitch meiner Geschäftsidee vor und die Frist rückte immer näher.

Startups in Hamburg

Am nächsten Tag saß ich schon im Zug Richtung Hamburg. Das ganze Wochenende war voll verplant. Angefangen mit dem Check-In im Hotel und dem anschließenden Begrüßungsessen. Am gleichem Abend gab es noch eine Führung durch die Büros von Wix und im Anschluss eine Gesprächsrunde mit den Gründern. Diese gaben einem hilfreiche Informationen, wie es ist ein Startup zu gründen und was die nächsten Schritte sind.

Am folgendem Tag bekamen wir eine Rundtour in den Google-Büros. Es war wirklich erstaunlich wie Google sich entwickelt hat, wenn man das Bild vor Augen hat, wie Google gegründet wurde. Jede Etage hatte ein anderes Thema und folgte dem Konzept, wie man es von amerikanischen Büros gewohnt ist. Anschließend stellte man uns Googles Startup-Programm vor. Dieses baut ein Netzwerk für Gründer und Startups auf und unterstützt viele neue Startups finanziell.

Pitch(black)

Das Wochenende verging trotz der vielen Reize und Informationen sehr schnell. Und nun war es Zeit für meinen Pitch, auf den ich mich wochenlang vorbereitet hatte. Da stand ich also auf der Bühne vor der Jury, der Presse, den anderen Teams und einigen anderen Zuschauern. Die Präsentation verlief sehr gut und ich verließ nach dem Applaus mit einem guten Bauchgefühl die Bühne. Anschließend durfte ich noch Fragen an meinem Stand beantworten und mit einigen Experten Wissen austauschen.

Ein paar Stunden vergingen und die Jury hatte einen Gewinner festgelegt. Zu meiner Enttäuschung erhielt ich nur den 4. Platz. Aus meinem ursprünglich geplanten Startup wurde dann leider doch nichts. Ich stand also wieder komplett im Dunkeln. Ich konnte allerdings sehr viel Wissen und Erfahrung mitnehmen und wer weiß, vielleicht werde ich nochmal von einem Auto angefahren.

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